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Gothic-/Fetisch- & Bizarre-Talk 20. 05. 2012, 18:15 *
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Autor Thema: Hipphopper uns überlegen!!!  (Gelesen 3895 mal)
0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.
dunkelbunt


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« Antworten #25 am: 25. 04. 2006, 22:43 »

Mir ist heute „Die Welt“ in die Hände gefallen und dort habe ich den folgenden Kommentar gelesen. Ich glaube, er ist eine gute Ergänzung zu unserem Thema, ob uns „die Hiphopper überlegen sind“, denn er zeigt sehr anschaulich, dass alles seine Zeit hat und nur aus seiner Zeit heraus zu erklären ist. Und dass der, der in der Pose verharrt lächerlich wird.

Halten wir es mit den alten Griechen „panta rhei“ ... alles fließt ... und wer sich nicht bewegt und weiterentwickelt, der ist tot.


„POSCHARDT
30 Jahre Punk – eine britische Erfolgsgeschichte

Rettung der Jugend vor der Sinnlosigkeit

Als vor 30 Jahren die Sex Pistols mit „Anarchy in the UK“ die Hitparaden Englands besuchten, schieden sich Spießer und Liberale. Erstere sahen in den elegant verdreckten Punks jene Antichristen, als die sich die Band geschäftstüchtig etikettiert hatte, letztere erblickten jenen Ausdruck von Aufruhr und Unangepasstheit, der ihnen zwar fremd, aber sympathisch war. Als England vom Mittelmaß ins Nichts zu stürzen drohte, rettete Punk die Jugend vor der Sinnlosigkeit: durch einen in sich widersprüchlichen Nihilismus.

Punk sein hieß, das Nein zum System als Ja zum Leben wieder zu entdecken. Auch wenn einige, wie der Gitarrist der Sex Pistols, Sid Vicious – die Gesten der Selbstzerstörung mit dem Wesen des Punk verwechselten.
Wer heute mit Irokesenbürste, zerrissenen Jeans und Ratte auf der verdreckten Jeansjacke durch Fußgängerzonen schleicht, ist ein Clown. Er hat es sich bequem gemacht in den Verliesen der Jugendkultur wie ein Schrebergärtner vor seinen Stiefmütterchen. In den Boutiquenschluchten Londons marodieren geschäftstüchtige Punk-Simulationen und lassen sich von Touristen  für Geld von ihnen fotografieren. Die sogenannten Postcard-Punks sind Zombies der Kulturgeschichte: Sie erinnern daran, wie tot die alte Oberfläche des Punk ist.

Rückblickend war der Aufbruch von Punkt knapp zehn Jahre nach dem Aufbruch von 1968 ein weiterer Modernisierungsschub der Gesellschaft. Anders als der mitunter bierernste Moralismus der Linksradikalen umgab Punk von Anfang an eine spielerische Selbstironie bei der Umwertung aller Werte. Punks verachteten die 68er. Sie hassten Hippies. „I hate Pink Floyd“ stand auf dem T-Shirt, das Sex-Pistols-Sänger Johnny Rotten trug, als er entdeckt wurde.

Punk war eine libertäre Bewegung, deren ästetischer Feinsinn sowohl dem Geist des Situationismus viel verdankte als auch der jahrhundertealten Tradition britischer Exzentrik. Der Individualanarchismus des Dandys als die radikalste Form der Mitgestaltung gesellschaftlicher Umbrüche steht am Anfang einer Entwicklung, die in England wie in den USA (dort eher als ruraler Punkrock) einen Individualismus heroisierte, der sich jenseits aller Konventionen von „schön“, „häßlich“, „gut“, „böse“ verwirklicht.
Die Punks von einst sind – zusammen mit der Ordnungspolitik Margaret Thatchers – der Humus der Erfolgsgeschichte von Cool Britannia. Die ökonomisch-revolutionäre Vernunft der Premierministerin, die lebensweltlich stets biedermeierlich blieb, ergab, kombiniert mit der Kreativität, Poesie und rauen Energie des Punk, einen Mix der England wieder zum Vorbild Europas werden ließ. Viele Ex-Punks haben sich über die Vita als New Waver zu Gentlemen entwickelt. Ihre Clash-Plattencover und gerahmten Sex-Pistols-Eintrittskarten hängen in ihren Häusern in Kensington, und auf dem Weg ins Sommerhaus im Cornwall hören sie gen noch die ersten Platten von Wire oder Joy Division.

Deutschland kannte nur wenige Punks. Sie kamen mit entsprechender Verspätung und waren oft Kunsthochschüler mit Mittelschichttrauma. Oder jene Hausbesetzer, die brachialen Punkrock wie den von Slime als linksradikale Marschmusik für Demonstrationen genossen. Erst der New Wave sollte als Neue Deutsche Welle jenen breiten kreativen Aufbruch markieren, der in England weite Teile der Kulturindustrie annektiert hatte.

Punk ist historisch geworden. Doch seine Energie bleibt. Wie Rotten sein „no future .... no future .... no future ....for me“ ins Mikrofon heulte, das hat soviel Kraft und Euphorie, dass es die semantische Ebene der Aussage mühelos aufhebt. Die Songs der Sex Pistols waren eine Feier der Existenz: ein Triumph des Willens  über den Niedergang eines Landes, das von Gewerkschaften und einer nostalgischen Politikerkaste in den Abgrund getrieben war.

In Rottens Geheul lag der Keim der Rettung, der England zurück an die Spitze Europas führen sollte.

Ulf Poschard /forum@welt.de"


[Editiert am 25/4/2006 von dunkelbunt]

man sollte so spät abends keine langen Texte mehr abtippen ... gibt nur Tippfehler *ggg

[Editiert am 25/4/2006 von dunkelbunt]
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Anika
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« Antworten #26 am: 26. 05. 2006, 23:58 »

Die Szene stirbt? Wohl eher nicht Smiley Es gibt überall Mitläufer, es gibt in jeder Szene Subkulturen, aus denen sich wieder Subkulturen entwickeln und das bedeutet Entwicklung, ob gut oder schlecht sei mal dahin gestellt Smiley

Was bedeutet Gothik für euch? Wie gewichtig ist es ob ein Gothe mal HipHop hört oder ein Goa Lack trägt?

Was ist so schlimm daran das sich die Szenen teiweise vermischen und eventuell etwas völlig neues dabei herraus kommt?

LG
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darkon
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Beiträge: 223



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« Antworten #27 am: 28. 05. 2006, 23:34 »

Zitat
Die Szene stirbt? Wohl eher nicht Smiley Es gibt überall Mitläufer, es gibt in jeder Szene Subkulturen, aus denen sich wieder Subkulturen entwickeln und das bedeutet Entwicklung, ob gut oder schlecht sei mal dahin gestellt Smiley


Ich betrachte sowas generell immer erstmal positiv.

Musterbeispiel ist da für mich immer EBM (wen überrascht das? Zwinkernd )
Der hatte Anfangs seinen Platz in der normalen Gruftiszene, wuchs dann aber nach und nach zu einer eigenen Szene mit Ablegern wie Agrepo, NewBeat etc.. Dort spaltete sich dann aber bald die Technoszene ab (zur Erläuterung, Techno war früher der Oberbegriff für alle die oben genannten Stile) und EBM kam mit neuen Elementen zurück in die schwarze Szene. Dort haben sich dann auch wieder andere Bands von den neuen Elementen beeinflussen lassen.

Nur durch Austausch mit anderen kann man lernen.
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elbchen
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Beiträge: 82



« Antworten #28 am: 29. 05. 2006, 12:27 »

Diese Discusion erinnert mich daran,wie ich selber "gothic" wurde.Die erste Bekanntschaft mit"schwarz sein" hatte ich, als ich damals ein paar Jungs kennenlernte,die so rumliefen.Die hörten Christian Death und als ich daß zum ersten mal gehört habe,hatte ich ein Gefühl von zu Hause sein.Die Jungs liefen vielleicht ein halbes Jahr so rum.Es war halt Mode und dann wieder unmodern.Aber für mich ist  es der Nabel der Welt geworden.
Ich meine Mode kommt und geht wieder,genau wie platte Szeenebands und Szeenetypen.Es sind halt Mitläufer.Aber gerade über diese breite Szeenemasse erhält ein schwarzes Gemüt doch erst die Chance zum Werden.Ein echtes schwarzes Wesen kristallisiert sich schnell herraus unter den Scheinheiligen.
Und gute Musik wird es in der Szeene immer geben.Genau wie schlechte.Es gab auch schon früher viel Mist.
Ich meine,man sollte nicht vertäufeln,daß Gothic gerade mal wieder hoch angesagt ist.Eben wegen derer,die es als Trittbrett brauchen.Es geht doch um mehr als nur Disco,Klamotten  und Musik.
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Der Unterschied zischen einem Heiligen und einem Sünder ist,daß der Heilige eine Vergangenheit und der Sünder eine Zukunft hat...
Anika
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« Antworten #29 am: 29. 05. 2006, 18:22 »

Stimmt Smiley Dieses Gefühl "zuhause zu sein" kenne ich. Mir gibt die Musik Verständnis, Trost und Geborgenheit. Aber das Gefühl kommt von innen und kann nicht etzwungen oder "gestylt" werden Smiley

LG
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